Jürgen Wolf
Sachbuchautor für Persönlichkeitsentwicklung
WILLKOMMEN IM ZAUBERWALD
Geschichten, Metaphern und Lösungsansätze für die Herausforderungen des Lebens
Geschichten, Metaphern und Fabeln sind faszinierend, abenteuerlich und lehrreich. Es gerät immer jemand in eine spannende Situation, die er auf irgendeine Art bewältigt und löst, oder in denen er versagt. Während der Leser die Geschichten liest überprüft das Unterbewusstsein alle Informationen auf Ähnlichkeiten mit eigenen Erfahrungen und geben ihnen einen individuellen Sinn. Ein besinnliches, heiteres und spannendes Buch zur Unterhaltung und Lösungsfindungen.
Leseprobe
Viele Menschen haben Hobbys. Eines meiner Hobbys ist, neugierig auf das Leben zu sein. Diese Neugierde stille ich beim Lesen, sowie durch Kontakte zu interessanten Menschen. Die Geschichten, die Du hier findest, habe ich in fantastischen Büchern entdeckt. In vielen Seminaren die ich besucht habe, konnte ich von tollen Referenten Metaphern mitnehmen, die für unsere Phantasie eingesetzt wurden. In meinen eigenen Seminaren bekam ich von wunderbaren Menschen heitere und nachdenkliche Geschichten geschenkt, die ich wieder verwendet habe. Jetzt ist die Zeit gekommen, die schönsten und wertvollsten davon zu veröffentlichen. Ich möchte allen Menschen danken, die mich mit diesen Schätzen beschenkt haben.
Doch welchen Nutzen haben Metapher, Fabeln und Geschichten?
Es geht um `innere Bilder´, die hierbei sehr gut für Veränderungs- oder Lösungsarbeiten genutzt werden können. Dort spielen sie eine sehr spannende Rolle. Ursprünglich kommt der Wortsinn des Wortes Metapher aus dem griechischen Wort „metapherein“. „Meta“ bedeutet: über und „pherein“ wird mit tragen oder bringen übersetzt. Das heißt, dass etwas in einer übertragenen Form oder stellvertretend für etwas anderes beschrieben wird.
Durch eine Metapher wird ein bestimmtes Ereignis in ein visuelles Erleben umgewandelt, dadurch entstehen sogenannte `innere Bilder´. Die Metaphern, Geschichten und Fabeln sind bildhafte Beschreibungen und können so ein Problem in einer visuellen Form darstellen. Wir kennen Redewendungen wie: „Es hat mich wie ein Schlag getroffen“, „Eine schwere Last auf den Schultern“, „Man sitzt im gleichen Boot“, „Wie eine Katze um den heißen Brei herumschleichen“, „Mauer des Schweigens“, u.a.
Sicher hilft Dir die eine oder andere Geschichte eine völlig neue Sichtweise auf Dein momentanes Thema zu geben. Vielleicht erfährst Du sogar Lösungsfindungen in Form von Figuren aus einer anderen Welt.
Besuche den Zauberwald, mit all seinen Metaphern und Geschichten. Gib Deinem Verstand mal „Urlaub“ und erfahre die Kraft Deiner inneren Bilder.
Jürgen Wolf
SIEG
Wie oft hörte ich Dich sagen,
Du würdest große Dinge wagen.
Wann glaubst Du, kommt der große Tag,
da endet alle Müh und Plag,
da Du zu großen Taten schreitest
und du selbst Dein Schicksal leitest...
Und wieder ging ein Jahr vorbei
Und nie warst du, mein Freund, dabei.
Wenn`s galt nun endlich zuzugreifen,
damit auch Deine Früchte reifen.
Woran es liegt, erklär es nur,
Du hattest Pech, ach keine Spur.
Wie immer einzig und allein,
lag`s nur an Dir, an Dir allein.
Schau nur auf Deine Hände bloß,
sie liegen schlaff in Deinem Schoß.
Statt endlich, endlich doch zu handeln
und alles in Dir umzuwandeln.
- Frank Bettger -
Adler oder Muschel
Gott schuf, nachdem er die Welt erschaffen hatte, zunächst eine Muschel und legte sie auf den Meeresboden. Dort führte sie kein aufregendes Leben. Den ganzen Tag über tat sie nichts anderes als ihre Klappe zu öffnen, etwas Meerwasser hindurch fließen zu lassen und dann wieder die Klappe zu schließen. Tagaus, tagein gab es für sie nichts anderes als Klappe auf, Klappe zu, Klappe auf, Klappe zu, Klappe....
Dann schuf Gott den Adler. Ihm gab er die Freiheit zu fliegen und selbst die höchsten Gipfel zu erreichen. Es existierten fast keine Grenzen für ihn. Allerdings musste der Adler einen Preis für seine Freiheit zahlen. Täglich musste er um seine Beute kämpfen. Nichts fiel ihm in den Schoß. Wenn er Junge hatte, musste er oft tagelang jagen, um genügend Futter herbeizuschaffen. Doch diesen Preis zahlte er gerne.
Schließlich schuf Gott den Menschen und führte ihn zuerst zur Muschel und anschließend zum Adler. Dann forderte er auf, sich zu entscheiden, welches Leben er führen wollte.
Nach einer alten indischen Schöpfungsgeschichte
Wir haben die Wahl zwischen den beiden Grundlebensformen. Die Muschel steht für Personen, die es versäumen, ihren Horizont zu erweitern. Der Preis dafür ist der, dass sie ihr Leben lang das Gleiche tun müssen. Klappe auf, Klappe zu, Klappe...
Manche Menschen sterben vorzeitig, weil sie zu viel essen, andere sterben, weil sie zu viel trinken, wieder andere verkümmern einfach und sterben, weil sie nichts anderes zu tun haben. Der Mensch hat aber auch die Wahl, wie ein Adler zu leben. Frei und ungebunden, aber auch mitten im Leben. Zu den Sternen fliegend und seine Jungen versorgend. Dies ist sicherlich nicht der leichtere Weg. Es ist der Weg, der Herausforderungen und des persönlichen Wachstums. Je mehr wir lernen und wachsen, desto freier werden wir. Ohne kontinuierliches Lernen und Wachsen werden wir zur Muschel, ganz automatisch. Auch wenn wir noch denken, dass wir der Adler sind.
Und die Moral von der Geschicht?
Wenn Du Deine Gedanken, die Dich glücklich machen nicht in die Tat umsetzt, dann bist Du wie eine Muschel und wirst Dein Leben damit verbringen, Dir selbst zu erzählen, wie schön es ist, eine Muschel zu sein. Klappe auf, Klappe...
Setzt Du dagegen Deine Gedanken, die Sie glücklich machen in das Leben um, so werden diese Dich befreien und Du wirst wie der Adler fliegen lernen.
Adler oder Huhn
Hoch oben in den Bergen fand ein Mann einen jungen Adler. Er saß dicht bei einem verlassenen Nest. Der Mann wartete in einem sicheren Abstand, ob die alten Adler vielleicht mit Futter für ihre Jungen zurückkommen würden, aber das geschah nicht. Auch am folgenden Tag nicht. Der kleine Adler wurde vor lauter Hunger immer schwächer und so beschloss der Mann, ihn mit nach Hause zu nehmen. Dort setzte er den Vogel zu den Hühnern in den Stall und gab ihm Hühnerfutter. Fünf Jahre später kam ein Naturwissenschaftler, ein Biologe, zu Besuch. Während sie am Hühnerstall entlang durch den Garten liefen sagte er plötzlich: „Der Vogel dort, das ist ein Adler, kein Huhn.“
„Ja, das ist so“, sagte der Mann, „aber er ist hier zwischen den Hühnern aufgewachsen. Er ist nun ein Huhn, kein Adler mehr.“ - „Ein Adler bleibt ein Adler“, sagte der Biologe. „Ich werde es dir zeigen“. Er nahm den Adler auf seinen Arm und sagte: Breite deine Flügel aus und fliege!“
Aber der Adler schaute zu den Hühnern, die nach Körnern pickten, sprang vom Arm ab, landete auf dem Boden und begann zu essen. Der Mann sagte: „Ich habe es dir doch gesagt! Er ist ein Huhn geworden.“ – „Nein, sagte der Naturwissenschaftler, „er ist ein Adler und ich werde es dir beweisen.“
Das ist ein Huhn!“ – „Nein, das ist ein Adler. Er hat noch immer das Herz eines Adlers. Gib ihm noch eine einzige Chance.“ Am nächsten Tag ging er mit dem Adler hinauf auf einen hohen Berg. Dort hob er ihn hoch und sagte: „Du hast die Flügel eines Adlers. Du hast das Herz eines Adlers. Du bist ein Adler. Du kannst hoch in die Luft fliegen. Du bist frei. Breite deine Flügel aus und fliege. Flieg, so wie nur ein mächtiger Adler fliegen kann. Flieg!“
Und dann breitete der Adler seine enormen Flügel aus, flog mit einem Schrei hoch, kreiste höher und höher in der Luft und kam nie mehr zurück.
Nach James Aggrey
Wir alle glauben zu wissen, wer wir sind und wozu wir fähig sind. Aber vielleicht ist das nicht die Wahrheit über uns. Vielleicht glauben wir auch nur das, was uns von den Erwachsenen seit frühester Kindheit über uns erzählt wurde. Was wäre, wenn Du tatsächlich ein Adler und kein Huhn bist?
Wenn wir die Wahrheit über uns herausfinden wollen, dann müssen wir uns freimachen von den vermeintlichen Beschränkungen, die wir in unserem Denken mit uns herumtragen. Und wir müssen etwas wagen, denn nur so können wir zu unserer wahren Bestimmung finden.
Wir alle leben innerhalb der Grenzen, die wir uns durch unser Denken setzen. Erhebe Dich in die Lüfte und sei Sie ein Adler.